11.06.2005
Order “Pitsburg Style” next time . . .

gibt mir die Bedienung zur Antwort auf meine Beschwerde über das Rib Eye Steak, das nicht kross gebraten. So auf Sparflamme gebräunelt, als müßte man am Strom sparen oder die neueste Krebswarnung der Food and Drug Administration an den Mann bringen. Schließlich sitze ich im Outback Steakhouse in Florida, wo schon über zwei Jahrzehnte die besten Steaks der Welt auf mich warten und stets Genuß ohne Reue versprechen und halten; gehört doch cooking steaks to perfection zu meinen Hobbies. Solche Steaks gibt es nirgends diesseits des Atlantiks. Wie? Ja, weder – leider - auf dem Rütli, auch nicht bei den Galliern von der Normandie über die Loire bis zum Elsaß und schon garnicht bei den Römern (Viva la Pasta!) oder in Old Germany. Kein Wunder, wenn man die Kunden neoliberal schlitzöhrig bis dummdreist aus dem Restaurant jagt [ im *Lokal in (Loire-) Orleans der grüne Salat ohne Dressing, éxcusez-moi, Monsieur, wie im Ziegenstall serviert ]. Kein Wunder, daß der Koch in Ammerschwihr lieber seinen Michelin* untergehen läßt als 60% seiner (zumeist deutschen) Kundschaft.

Das „Volk“ läßt sich das nicht mehr bieten und stimmt mit den Füßen ab
[ mangels Stimmzetteln, die demnächst gewiß wegen Mißbrauchs geächtet werden ]:  mit dem € begann der Preis-Tsunami. [Wer krakeelt da erneut in den Medien uni sono: „Nichts dran, horrende Übertreibung“?] Das Hotel- und Gaststättengewerbe sah sich über Nacht im Barbershop und den Kunden parat zum Einseifen unterm Rasiermesser ]. Was in DM serviert, fand sich über Nacht gewürzt als  € - Gericht – der „Teuro“ war geboren! Welcher Familienvater kann da noch mithalten? Außer der Exportwirtschaft trauern alle ihrer Landeswährung nach! Heute leiden selbst die Azurris unter der futschgegangenen Lira, die sich so schön abwerten ließ. Natürlich spielt jeder Politiker blauäugig und staunt Bauklötzer, wenn ihm Marianne und das Meisje eine saftige Watschen verpassen. Was erst, wenn die Luxis vom selben Bazillus befallen das Schlitzohr Juncker am 10. Juli seinen (erpresserischen) Hut nehmen lassen?

Der deutsche Hotelgewerbeverband gab die Metzger-Direktive aus [ in allen Hotels grinst man mich nur an und in Frankreich weiß man um diese Butchermethode: das Viertel zum alten Preis gebutchert auf 100 g ]: vom Zimmerpreis 200 DM über 150 DM pro Person im Doppelzimmer und im nächsten Schritt „Das stellt ihr nett auf 75 € je Person um und leimt die Leute: „. . . mit Frühstücksbuffett !“. Wo kann man nicht heute landauf landab diesen drögen Spruch hören! Doch wer macht sich schon was aus Müsli, auf das die fäääst foodabhängigen  und kolesterinverseuchten Yankees so gern abfahren? Das Zimmer kostet dann 150 €. In Italien bekommt man noch heute den alten Lira-Preis auf der Karte zum Vergleich, bei uns war alles neoliberal als „Agreement“ mit der Wirtschaft von Mr. Europa aus Oggersheim geleimt worden.

Doch zurück zum langweiligen Steak! Vergrätzt, weil mir gebräunelte Lammsteaks schon in Wissembourg auf den Teller kamen und am Fuße von Neuschwanstein. Auf Nachfrage kommt das Fleisch stets „vom Grill“ – doch ohne Grillmarkierungen vom vollen Feuer. Ja, dann ist es auf einmal eine Bratfläche, auf der für eine halbe Stunde gesisselt wird. Offensichtlich eine weltweit ausgegebene Devise! In Amerika weiß ich jetzt: Order „Pitsburg Style“ next time. Pitsburg einmal die Hauptstadt des sog. Steel Belt, das US-Ruhrgebiet – solche Steaks haben Feuer gesehen!

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