24.01.2003
Was Frau "Bischöfin" zur Jungfräulichkeit weiss ….

Vorab: wer sich nicht alles seinen Kopf darüber zerbricht, ob die Jungfrau Maria nun ihren Sohn – himmlisch - vom Hlg. Geist empfangen hat oder ob es nicht doch - ganz irdisch – der hlg. Josef war. Oft jene, für die Religion mit dem kürbissigen Halloween beginnt und endet. Andere zitieren den jerusalemischen Talmud (schabbat 104b) und klagen „die Friseuse“ Maria der Hurerei mit dem römischen Legionär Panthera an, zumindest liess sie sich nach dieser Quelle von ihm vergewaltigen  [Wie wär’s, wenn Michel Friedman seinen Teil der Bibel umschreiben liesse und Goldhagen sich an die eigene Nase fasste und sein neuestes Pamphlet [Die katholische Kirche und der Holocaust. Eine Untersuchung ueber Schuld und Suehne] befruchtete statt schmähend die Abschaffung des Kreuzes [so Friedman] oder emphatisch die Umschreibung des Neuen Testaments an (angeblich wohl) 487 Stellen [so Goldhagen] zu verlangen?].

Diesmal ist es die Profi-Christin und (evangelisch) hannoversche Landes-Bischöfin Kässmann. Am heimischen Küchenherd kocht sie hoffentlich besser statt das abgestandene theologische Gericht aufzutischen. In einem dpa-Gespraech zur Weihnachstsgeburt buddelt sie allerhand aus dem Keller der historisch-kritischen Bibelforschung des 19.Jahrhunderts !

Quelle:  F.A.Z.


„Die Jungfrauengeburt Jesu ist nicht sexuell zu verstehen“. Wie denn ? Darf man sich doch da fragen !
Klar, vor 2300 Jahren war den Septuaginta [„70iger“] -Übersetzern Sex tabu und ihr Griffel kratzte solches weder auf Pergament noch Papyrus. Doch hören wir die Bischöfin selbst: „nur ein Übersetzungsproblem und nichts anderes als ganz einfach eine junge Frau“. Das jesaische “Alma” für „junge Frau“ habe man übersetzt mit dem griechischen Wort „parthegonese“, wörtlich Jungfrauengeburt. Das habe nichts mit der Vorstellung sexueller Unberührtheit zu tun.

Na klar, darf man daraus schliessen, diese “70iger“ - [es waren genau 72, sechs für jeden der 12 Stämme Israels, die aus Jerusalem in die jüdische Diaspora nach Alexandrien für jeweils ein paar Wochen „eingeflogen“ wurden]  hatten kein Gespür mehr für die jesaische Prophetie. Und vor 2000 Jahren z.Zt. der Evangelisten gab es massenweise 50jährige Jungmuttis - von wegen, die hätten längst das Zeitliche gesegnet oder schaukelten nicht mehr ihre Enkelkinder auf dem Schoss. Notfalls holten sie sich eben ein paar Spermen aus der Kaiserlich-Augusteischen Samenbank nach dem Motto „Panem et circenses“, um sich nach verquasten Lebensschritten noch schleunigst den Mutterorden an den Busen stecken zu können. Was soll’s, möchte man uferlos ironisieren, dass noch vor 100 Jahren die durchschnittliche deutsche Ehe gerade mal acht Jahre wegen hoher Kindbettsterblichkeit währte, also bis zu Bismarck’s Zeiten nur “junge Frauen” die Kinder zur Welt brachten und niemand dieserhalb Aufhebens machte.  Und das mit Abram und Sarah, hör ich, “die noch in hohem Alter...“ oder des Täufer’s Eltern ?  Eben, eben.

Allerdings:  Unter heutigen „Rules and Regulations“ von „mein Bauch gehört mir“ bis hin zum femininen Karrierespleen [„fun over family“] klingen der Evangelisten (damalige) Worte mit der Bischöfin (heutigen) Worte total lebensnah: dass „eine junge Frau offen war für Gottes Heiligen Geist“ und weder an Selbstverwirklichung dachte noch abtrieb. Im übrigen: Klaus Berger (Professor für Neues Testament an der Uni Heidelberg und „geboren in Katholika“) ertappt [Mannheimer Morgen v. 20.12.2002]  die Bischöfin in flagranti beim „Betrugsversuch“: sie verwechselt Jungfrauengeburt und unbefleckte Empfängnis, das jeweilige Kirchenfest am 24. Dezember und 08.Dezember. Welcher Laie hört schon gern solches aus dem Munde von Gottes führendem „Bodenpersonal“ !

Was sagen dazu christkatholisches und orthodoxes Dogma ?

  • „Jungfrauengeburt“ negiert “menschlichen Samen”, wie Markus und Johannes Josef nicht als Vater sehen und Matthäus wie Lukas auf den Hlg. Geist als Vater verweisen: „Fürchte Dich nicht“, sagt der Engel zu Maria. “Der Hlg. Geist wird über Dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird Dich überschatten“.[Nota bene: Das Erscheinen des Engels feiert die Kirche am 25.März als „Mariä Verkündigung“]. Der Kenner der Geschichte denkt dabei nolensvolens auch an die Pharaonen wie an Buddha und Alexander den Grossen, bei deren Zeugung Göttliches am Werk war. Dem heutigen Zeitgenossen sollte das sexfreie Klonen in den Sinn kommen.
     
  • „Unbefleckte Empfängnis“ negiert die Sündhaftigkeit Mariens, denn jeder Mensch wird mit der Erbsünde geboren. Maria ist frei von der Erbsünde, sie ist die Unbefleckte, die reine Magd – virgo immaculata. Sie ist sündenfrei von Geburt an – weil Gottesgebärerin. Was hat das mit ihrer Sexualität zu tun? Nichts, rein garnichts. [Nota bene: die Kirche feiert das Geschehen am 08.Dezember und Mariens Geburt am 09.September; diese Daten als „Eselsbrücke“].

Angesichts heutiger (liberal-protestantischer) Häresien schütteln sich sogar fromme Muslime ! Warum ?

  • Koransure 19 [ausdrücklich nach Maria benannt] kündigt in Vers 17ff. Maria die jungfräuliche Geburt ihres Sohnes an ohne Mitwirkung eines Mannes mit den Worten „Da sandten wir unseren Geist zu ihr, und er erschien ihr in Gestalt eines vollkommenen Menschen [17]. Ich bin nur ein Gesandter deines Herrn, auf dass ich dir einen reinen Sohn beschere [19]. Sie [Maria] sprach „Wie soll mir ein Sohn werden, wo mich kein Mann berührt hat und ich auch nicht unkeusch gewesen bin“ [20].
     
  • Koransure 3,47 fast gleichlautend:
    „Sie [Maria] sprach: ‚Mein Herr, wie soll mir ein Sohn werden, wo mich kein Mann berührt hat?’  Er sprach: ‘So ist Allahs (Weg). Er schafft, was ihm gefällt. Wenn Er ein Ding beschliesst, so spricht Er zu ihm: ‘Sei!’, und es ist“. Josef kennt der Koran überhaupt nicht [!].
     
  • Im Hadith (nach Bukhari, Anbiya, Bab 44) heisst es zur unbefleckten Empfängnis koranisch klar und laut: Jeder Adamssohn, der geboren wird, wird vom Satan gestochen, und diese Berührung lässt ihn schreien, ausgenommen Maryam und ihr Sohn. Mohammed nutzt gleiche Quellen, wenn auch [judenchristlich] apokryphe. Doch das wäre Stoff für ein anderes langes Kapitel.
     
  • Koransure 4,156 spricht in hoechster Anerkennung über Maria im Gegensatz zum Talmud: „Weil sie (die Juden) dann ihren Bund und die Zeichen Allahs verleugneten und die Propheten widerrechtlich zu töten suchten und sagten:  < Unsere Herzen sind in Hüllen gewickelt > - nein, aber Allah hat sie versiegelt ihres Unglaubens willen, so dass sie nur wenig glaubten -, und dies ihres Unglaubens willen und wegen ihrer Rede – einer schweren Verleumdung gegen Maria“.

Wie spricht Berger mit Recht ? Die Bischöfin sollte sich näher mit dem katholischen Glauben beschäftigen – selbst der Koran ist der protestantischen Bibelexegese weit überlegen, wie ich meine.
 

Koranisch gesprochen:

Jeder Adamssohn, der geboren wird, wird vom Satan gestochen, und diese Berührung lässt ihn schreien, ausgenommen Maryam und ihr Sohn.

Hadith nach Bukhari, Anbiya, Bab 44

Christlich gesagt:

Jeder Mensch wird mit der Erbsünde geboren. Maria ist frei von der Erbsünde, sie ist die Unbefleckte, die reine Magd – virgo immaculata

Dogma der Kirche

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